Bericht über den Anschluss eines Radios

Aus Familienalbum
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Persönlicher Bericht von Karl Grote über sein erstes Radio Brief an seinen Sohn vom 17.9.1925

Transkription
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Meimerhausen, d. 17. Sept. 25

Mein lieber Friedrich!

Hochantenne ist fertig!!

Gebaut haben wir sie am Montag. In der Nacht auf Dienstag waren von 12 - 2 Uhr Versuche mit neuen Wellen, die in Genf für Europa festgesetzt waren. Am Montag-Abend war Blöß hier, und wir hörten unten im Zimmer von der Bodenantenne aus nur Hannover. Blöß ging gegen 11 Uhr weg, und ich baute den Apparat nun oben im Zimmer auf und schloß an die Hochantenne an. Der Zeiger stand auf 12 Uhr und gespannt wie ein Flitzbogen nahm ich den Hörer an den Kopf. Kaum hatte ich die Skala eingestellt, wo sonst Hannover antwortet, so tönte mir entgegen: "Hier Nürnberg," Und nun gings los. Es war wie Schützenfest in Clausthal, wenn verschiedene Karusselle und Musikkapellen ertönen. Jede kleinste Drehung brachte andere Musik, da ja alle Sender Europas auf einmal in Tätigkeit waren. Es sollte ja geprüft werden, ob die Wellen sich nicht gegenseitig stören. Dazwischen tönten nun immer die Stationsrufe: "Hier Stuttgart"! "Hier Zürich"! "Hier Berlin". Hier Breslau. Dann kamen auch englische und französische Rufe. - Dann hieß es mal: "Hier Leipzig! Hier München! Hören Sie gut. Teilen Sie uns bitte mit, ob wir durch eine andere Welle überlagert werden." Und so ging es die 2 Stunden hindurch. - Ich machte mir einige Notizen über Einstellung, u. um 2 Uhr gings zu Bett. Als ich am andern Morgen aufgestanden war, suchte ich gleich den Zettel, ob ich auch nicht geträumt hatte. - Als am andern Tage der Unterricht vorbei war, machte ich mich gleich dabei, von der Hochantenne den Anschluß nach dem untern Zimmer herzustellen. Als ich fertig war, setzte ich mich voller Freude und Erwartung an den Apparat und hörte - - - nichts. Alles nachgesehen! Resultat: Nichts! Da schloß ich den Apparat wieder an die Bodenantenne an. Resultat: Nichts! "Nun ist der Apparat futsch", dachte ich. Wieder rauf auf die obere Stube und Fuß[?] von der Antenne angeschlossen! Nichts zu hören! Plötzlich sehe ich, daß die Anoden-Batterie verkehrt rum steht und der schwarze Stöpsel in + steckt. Rumgedreht!! Alles gut! Runter ins Zimmer! Alles da! Nun bin ich dabei, mir eine Tabelle mit den erreichten Stationen herzustellen. Es ist schwer. Die Herrschaften rufen nicht so oft wie Hannover: "Hier die Norag." Hat man eine Station gefunden, so sind sie doch schon im Gange und melden sich nicht so, wie in der Versuchs=Nacht.

Ich will nun den ganzen Donnerstag darauf verwenden, Stationen zu entdecken, damit Du am Sonnabend-Abend und am Sonntag Deine Freude hast. Dabei wird nun viel Strom verloren gehen, und ich will die Batterie, auch wenn sie noch nicht ganz leer ist, am Freitag nach Alfeld bringen und am Sonnabend-Nachmittag wiederholen.

Die alte Batterieschnur hab ich ganz weggeworfen und andere Schnüre gemacht. Da war der Empfang auch von der Bodenantenne viel besser.

Sieh mal zu, ob Du dort eine Steckdose für Radio-Wandanschluß bekommen kannst. Bringe sie aber nur mit, wenn sie billig ist. Dose mit Stecker-Schnur brauche ich nicht - kostet im Katalog 70 Pfg. Wenn sie nun dort auch etwas teurer ist!

Gestern hatten wir in Alfeld Lehrerversammlung. Die Mädchen des Gymnasiums hatten Schulfest. Am Sonnabend-Vormitttag haben wir mit dem Schulrat in Dehnsen eine Zusammenkunft, und am Nachmittag ist Abschieds-Versammlung in Lübrechtsen. Der dortige Lehrer ist pensioniert. Nach L. werde ich jedenfalls nicht hingehen, sondern nur nach D.

Ich freue mich schon auf Dein Kommen und denke, wir werden am Sonnabend-Abend viele Freude haben.

Nun lebe wohl. Herzl. Gruß an Dich, Hermann u. Frau Schmitz

Deine Eltern

Hermann muß sich die Sache in den Ferien selbstverständlich auch anhören! Die neuen Wellen sollen ab 1. November gelten. -